Der Ort, an dem man die Stille hört

Seit 10 Tagen sind wir nun schon auf der Finca Caravana, einem Wohnmobilstellplatz in der Nähe von Yecla. Schon der Weg hierher war traumhaft. Bergauf und bergab ging es durch eine wüstenähnliche Landschaft. So stellen wir uns Texas vor – wir waren zwar noch nie dort, aber inzwischen wurde uns bestätigt, dass es dort wirklich ähnlich ist.

Die Einsamkeit der Gegend hier nahm uns vom ersten Augenblick an gefangen. Die Begrüßung durch Björn, dem Besitzer und den Betreibern Dirk und Ela war direkt freundschaftlich und wir fühlten uns auf der Stelle wohl.

Die ersten Tage relaxten wir einfach nur, gingen viel mit den Hunden spazieren und genossen das wunderschöne Wetter. Seit unserer Ankunft in Spanien gab es erst einen Regentag, dem Wettergott sei es gedankt.

Wunderschön ist der Sternenhimmel über der Finca. Es ist nachts stockduster und es gibt kaum etwas Schöneres als draußen zu sitzen und die Sterne zu beobachten. Der große Wagen steht so viel tiefer als in Deutschland, man sieht die Milchstraße ganz deutlich. Unbeschreiblich. Und die Sonnenuntergänge – wir haben sie fast täglich fotografiert, weil die Farben einfach jeden Tag anders waren.

Unsere erste große Erkundungstour führte uns zu einer Quelle. Das Wasser kommt über eine Leitung direkt aus dem großen Berg und schmeckt köstlich – dort zapft sich die gesamte Umgebung das Trinkwasser ab. Auf dem Weg dorthin gibt es sogar eine alte römische Stätte, die war allerdings komplett eingezäunt und wir konnten nur die Ruinenmauern sehen.

Am Freitag bekamen wir Besuch von unserer Bekannten aus Fortuna mit ihrem Wohnmobil und am Sonntag – auf Zeenats Geburtstag – kam dann noch die ganz große Überraschung. Willi und Liane, die uns in Fortuna so nett begrüßt hatten, fuhren plötzlich auch noch auf den Platz. Liane hat nämlich am gleichen Tag wie Zeenat Geburtstag. Die Beiden haben dann auch noch gleich alles für eine tolle Grill-Geburtstagsfeier mitgebracht. Sie haben derart gut aufgetischt, da kann sich jedes Restaurant noch eine Scheibe von abschneiden. Es war ein superschöner Abend dann mit allen Leuten, die auf der Finca Caravana waren. Dieser Geburtstag wird wohl nicht so schnell vergessen werden!

Obwohl wir ursprünglich am Montag wieder fahren wollten, entschlossen wir uns, noch ein wenig zu bleiben. Wir machten tolle Wanderungen – u.a. auf einen Berg in der Nähe des Platzes. Es gibt hier sehr viele Ruinen von verlassenen Häusern und dort fanden wir sogar ein Haus, das an den Berg gebaut war. Außen sah es wie ein normales Haus aus und innen war es eine richtige Höhle – einfach nur schön. Fast 3 Stunden kraxelten wir durch die Gegend, die Hunde konnten laufen, es war ja total einsam. Wir sahen keine Menschenseele. Allerdings waren überall neue Pinien gepflanzt worden – also, doch keine totale Wildnis.

Dem leeren Kühlschrank sei Dank, machten wir uns am Donnerstag auf in die Stadt Almansa, ca. 25 Kilometer entfernt. Mitten über der Stadt thront die Burg, ein unglaublich tolles Bild. Dem konnten und wollten wir nicht widerstehen und suchten uns einen Parkplatz in der Nähe und bahnten uns den Weg durch Treppen und steile Gassen, bis wir vor dem geschlossenen Burgtor standen. Allerdings hatte der Souvenirshop nebenan noch auf – eine Horde Kinder mit Pappkrönchen auf dem Kopf und zwei verkleidete Statisten posierten vor dem Eingang für ein Erinnerungsfoto – dort erklärte man uns, dass gerade Mittagspause ist. Seit einigen Wochen sind wir nun in Spanien – an die Siesta haben wir uns leider immer noch nicht gewöhnt. Also liefen wir noch ein bisschen durch die Gassen und freuten uns unseres Lebens.

Was ich noch gar nicht erwähnt habe, ist der Geruch hier. Schon beim Ankommen meinte Zeenat: „Mama, riechst Du das?“ Es war Rosmarin. Der wächst hier überall wild, sowas in der Menge haben wir noch nie gesehen. Auch wilden Thymian und Fenchel findet man hier. Beim Spazieren gehen sammelten wir die vertrockneten Rosmarinwurzeln. Sie brennen toll auf dem Grill und verbreiten einen unglaublichen Duft. Nach jedem Spaziergang duften sogar die Hunde – unglaublich, wirklich.

Wir hoffen, wir können wenigstens ein bisschen von dieser wahnsinnigen Atmosphäre rüberbringen. Vielleicht verstehst Du ja jetzt, warum wir uns kaum von hier trennen können.

In den nächsten Tagen soll es allerdings erstmal ziemlich kalt werden und irgendwie packt uns die Reiselust wieder. Also haben wir beschlossen, morgen dann wieder an die Küste zu fahren um uns langsam in Richtung Andalusien zu begeben.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Yin und Yang – es kann nicht nur Gutes geben -

  2. Hallo ihr Drei Weltenbummler,

    momentan ist bei uns online so viel los. Es ist zwar alles was Gutes und Schönes aber eben sehr zeitintensiv. Vermutlich genau das, aus dem ihr „ausgebrochen“ seid. Wir denken oft an euch und bewundern täglich mehr, was ihr macht und vor allem wie ihr es meistert. Wir senden euch die besten Reisewünsche und wünschen euch noch viele erhellende Bekanntschaften, Durchhaltevermögen, Spaß und Erkenntnisse auf euerm Weg zum ich. Lilli und Jule von quovadix

    • Hallo Ihr Zwei,
      vielen Dank für Eure lieben Worte und Wünsche. Ich lese ja immer eifrig auch bei Euch mit, Ihr stellt ja echt ganz schön was auf die Beine.
      Liebe Grüße von
      Zeenat, Ute und Alina

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